Der Rubel muss rollen
Der Rubel muss rollen

Der Rubel muss rollen

Für das Verständnis der das Gemeinwesen zerrüttenden Wirkung von Zinsen ist es unbedingt vonnöten, die Ursache von deren Erhebung zu beleuchten.

Das mag dem ein oder anderen Leser ein abschreckend trockener Stoff sein, rate aber dazu dranzubleiben, weil der Text ein erhellendes Licht auf die Vorgänge in den Notenbanken der Welt wirft. Auf jene Institutionen die im Hintergrund, oft unbemerkt, nun einmal die Fäden im weltweit miteinander verstrickten Finanzsystems ziehen. – Und es am Laufen halten.

Die Macht der Notenbanker ist groß. Sehr groß. Riesig. Vor ihnen zittern selbst gestandene Konzernherren. Besonders dann, wenn die Notenbanken nach außen hin eine einige Font zeigen. Diese Machtfülle hat ihnen auch den Nimbus von „Zauberern“ eingebracht, an dessen Erzählung sie seit vielen Jahren fleißig stricken.

Aber genau genommenen sind sie nur Getriebene eines menschenverachtenden Systems, das ihnen Handlungszwänge auferlegt.

Zwänge, die aus einer fatalen Entscheidung stammen. Nämlich der, den Umlauf des Geldes, mit Zinsen zu sichern. Fatal insofern, las es doch eine viel verträglichere Möglichkeit zur Umlaufsicherung des Geldes gibt.

Doch erst einmal Grundsätzliches zum Umlauf von Geld.

Das Geld ungeheure Vorteile im Handel zwischen Menschen schafft, dürfte klar sein. Denn Handel ohne Geld ist kompliziert und zeitaufwändig. Ziel kann also nicht die Abschaffung von Geld sein.

Ein Problem, das mit dem Einsatz von Geld einhergeht – ist, das es dauerhaft unter Kopfkissen, in Schränken oder Truhen hinter oder unter Bettwäsche versteckt, als auch ganz modern, im Tresor weggeschlossen werden kann. Oder auch als Girogeld über längere Zeit auf Girokonten schläft.

Geschieht das, ist dieses Geld volkswirtschaftlich nutzlos. Es schadet vielmehr, weil es Zahlungsketten unterbricht und damit die Notenbank zum Handeln zwingt.

Die beiden volkstümlichen Aussagen: „Taler, Taler du musst wandern, von der einen Hand zur andern“ und „Der Rubel muss rollen“ bringen es auf den Punkt.

https://www.welt.de/finanzen/article115662561/Angst-um-ihr-Erspartes-laesst-Buerger-Bargeld-horten.html

Kurzum. Geld, das nicht bewegt wird, schadet.

Das ist ein Fakt. Ein Fakt. Ein Fakt. Worüber Ökonomen auch nicht streiten.

Wohl aber über die Frage, wie dem zu begegnen sei. Und wie schlimm der Schaden denn überhaupt sei.

Und damit nähern wir uns auch schon dem Kern des Ganzen.

Nämlich der Frage: warum weltweit nur eine Methode zur Umlaufsicherung von Geld eingesetzt wird, wo es doch eine Zweite gibt. Noch dazu eine, die Vorteile bietet.

Die derzeit angewandte Methode belohnt diejenigen, die auf ihrem Geld hocken und damit die Weitergabe blockieren.

Die konträre Methode würde sie dafür strafen. Nämlich mit einer Demurrage. Einer Lagergebühr.

Die Demurrage ist ein Begriff aus der Speditionswesen.

Wer mehr darüber wissen will, auf den link klicken.

https://de.wikipedia.org/wiki/Demurrage_(Seefahrt)

Beide Methoden funktionieren. Denn für beide Vorgehensweisen gibt es geschichtliche Belege.

Egal welche Entscheidung. Sie hat weitreichende Auswirkungen.

Wirkt auf das Leben der Menschen zurück. Doch sehr unterschiedlich.

An Für oder Wider scheiden sich die Geister.

Gott befürwortet, nein, fordert Minuszinsen Noch dazu nicht zu knappe.

Was direkt die Frage aufwirft, warum so viele Menschen sich dennoch pro Zinsen aussprechen.

Hybris? Wahrscheinlich.

Oder aus Dummheit. Damit ist immer zu rechnen.

Angst, Anpassungsdruck, ein Teil vom Kuchen haben wollen, auch das mag eine Rolle spielen.

Trotzdem bleibt die Frage: Warum nur setzten sich, in der Menschheitsgeschichte, fast alle Regierenden (Kaiser, Könige und Fürsten – auch die Kardinal-Fürsten der katholischen Kirche) über eines der ersten schriftlich in der Bibel erwähnten Gesetze Gottes hinweg? Öffneten damit der Ausbeutung von Menschen den Weg. Dem dann oft Kriege, Hungersnöte und Seuchen folgten.

War es die Angst vor dem Verlust ihrer Privilegien? Oder die Erkenntnis, das bei einer Demurrage die unablässig sprudelnde Quelle ihres Reichtums versiegt – und damit wohl auch die Macht, die Reichtum verleiht.

Oder war es einfach nur Unkenntnis – weil sie die Bibeltexte nicht kannten. – Etwas, was den Kirchenfürsten wohl nicht nachgesagt werden kann. Was ihre Kollaboration nur noch seltsamer erscheinen lässt.

Mag sein die weltlichen Eliten hingen in den letzten zwei Jahrhunderten der Lehre an, Gott gäbe es gar nicht. Oder abgeschwächt – sei schon lange tot. Und als Folge davon den Verweis auf die Bibeltexte, als ein wirres Gewächs minderbemittelter Menschenhirne betrachtend, die nicht in der Lage waren, die bittere Realität des Überlebenskampfes auszuhalten. Den Konkurrenzkampf. Der Naturgegeben sei.

Was für ein entsetzlicher Hochmut da spricht. Was für ein grausiges, mehr noch, monströses Menschenbild sich aus solchen Gedankengebilden speist.

Und nun in die Gegenwart. Nach all dem unseligen Treiben der Vergangenheit. Warum halten die Notenbanker (meist hochangesehene Angehörige der Ökonomenzunft) weiterhin an positiven Zinsen fest? Ja, gute Frage; warum wohl?

Halt! Stop. Wie immer gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel.

https://www.inwo.de/uploads/media/pdfs/Negativzinsen_aber_richtig.pdf

Wobei es tatsächlich nur Ausnahmen sind. Eine große Mehrheit der Notenbanker und Ökonomen lehnen schon geringfügige Minuszinsen kategorisch ab. Von einer Lagergebühr in Höhe von mehreren Prozenten gar nicht erst zu reden.

Falls sie das nicht glauben. Minuszinsen als Stichwort bei einer beliebigen Suchseite im Internet eingeben und die Ergebnisse sichten.

https://www.focus.de/finanzen/experten/mainert/renditen-sind-im-keller-zinsen-ade-stehen-wir-vor-einer-deflation_id_4647278.html

Kurzfristig ist eine Änderung des Status Quo also nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil. Die „einflussreichen Kreise“ arbeiten eifrig daran, die angeblich so unnatürliche Situation der Erhebung negativer Zinsen zu beenden. Auch wenn sie derzeit kaum nennenswert sind.

Einschub: Wobei eine Aussage etwas sei unnatürlichen oder natürlichen Ursprungs sofort in die Untiefen der Philosophie führt.

https://de.wiktionary.org/wiki/natürlich

https://de.wikipedia.org/wiki/Natur

Was ja wiederum nur anzeigt, das die Thematik der Zinserhebung, das göttliche Verbot der Zinsnahme, das auseinanderklaffen von Reichtum und Armut und all dem was damit zusammenhängt, uns wirklich betrifft. Trifft. Und zwar im Kern des Menschseins.

Nur wird das im modernen Wissenschaftsbetrieb kaum noch wahrgenommen. Ein merkwürdiger Fortschrittsglaube, mantramäßig vorgetragen, bildet dort die Grundlage der Forschung. Zweifel am eingeschlagenen Weg, ein Innehalten, sind unerwünscht. Gelten als kontraproduktiv. Stillstand – mit dem Erreichten zufrieden sein, darf nicht sein. Gilt als Ketzerei. Ist dem Profitstreben abhold. Dem immer mehr Forscher offen frönen. Eifrig sammeln sie Forschungsgelder ein und/oder bejubeln die steigenden Aktienkurse der Firmen, an denen sie beteiligt sind.

Selbst die Geisteswissenschaftler haben sich vom Diskurs verabschiedet. Mehrheitlich. Die wenigen, eher einsamen Streiter, haben im modernen Medien- und Politikgefüge kaum noch Aussicht, gehört zu werden.

Und sollen es nach dem willen der Profiteure des Systems, wohl auch nicht.

Warum nur will mir auf Anhieb, selbst wenn ich einige Zeit nachdenke, kein Name eines gegenwärtigen Philosophen (Freund der Weisheit) einfallen, der mit seinem Denken eine wahrnehmbare Wirkung in der Öffentlichkeit erzeugt. Über dessen Thesen wild diskutiert und gestritten wird. Nein – den gibt es nicht.

Und das allein sollte uns schon zu denken geben.

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