Goldwasser
Goldwasser

Goldwasser

Ja, das ist Urin tatsächlich. Und nicht nur der Farbe wegen. Denn in der Flüssigkeit sind all die Nährstoffe zu finden, die Pflanzen für ihr Wachstum benötigen. Die wichtigsten: Phosphor, Stickstoff und Kalium. Stickstoff noch dazu in der für Pflanzen direkt verwertbaren Form. Reaktiver Stickstoff genannt. Was also hindert uns daran ihn als Dünger in Garten auszubringen? Ist es die Mär von der Verätzung von Pflanzen durch den hohen Stickstoffanteil? Oder etwa das Narrativ der Versalzung des Bodens der hohen Salzmenge wegen?

Beides trifft nicht zu, wenn, wie von Praktikern vorgeschlagen, der Urin in einem Verhältnis von 1 Teil Urin zu 10 Teilen Wasser oder gar 1 Teil Urin zu 20 Teilen Wasser verwendet wird. Eine einfache und wirksame Lösung.

https://www.ndr.de/ratgeber/garten/Urin-Ein-idealer-Duenger-im-Garten,urinimgarten102.html

Die im NDR-Beitrag angesprochene mögliche Geruchsbelastung lässt sich neben der Verwendung von den Urin bindenden Mitteln wie Sägespänen, Blättern, Stroh oder kohlenstoffhaltige Gartenabfälle, auch mittels Fermentation in den Griff bekommen.

Mehr dazu: „Die Waldgeister: Das Fermentieren von Urin – Trenntoilette“

Wer im NDR-Beitrag über die Aussage stolpert: „…Wer Tabletten nimmt oder raucht, sollte darauf verzichten, seinen eigenen Urin als Biodünger zu verwenden. Damit kämen Stoffe in den Garten, die nicht ins Beet gehören“, dem sei das Video von Marko Heckel mit dem Titel: „Urin mit EM für Terra Preta“, nahegelegt. Auffindbar im verlinkten Beitrag.

Im Video äußerst er sich ab Minute 33 zum Thema Medikamente im Urin. Er befürwortet die Kompostierung von Urin, die den Bakterien genügend Zeit gibt, die Schadstoffe abzubauen.

Was auch deutlich besser ist, als darauf zu vertrauen, das unsere Kläranlagen in wenigen Stunden, mit dem Problem fertig werden. Und auch deutlich weniger aufwendig, als die Lösung, die das Schweizer Fernsehen präsentiert. Die der Idee nach, ja richtig ist.

https://www.srf.ch/wissen/mensch/urin-als-duenger-das-gelbe-gold-vom-stillen-oertchen

https://www.deutschlandfunk.de/duenger-aus-urin-102.html

Das menschlicher Urin in großem Stil die Landwirtschaft als Dünger erobert, wird wohl in absehbarer Zeit nicht stattfinden. Es gilt halt auch hier: warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Ein Ansatz, dem allzu oft, unsere angewandte Technik folgt.

Warum das so ist? Na vermutlich, weil die komplizierte Lösung mehr Umsatz und damit auch Gewinn verspricht. – Warum sonst?

Und die Erzeugung von Kunstdünger mittels des Haber-Bosch-Verfahrens ist eindeutig die kompliziertere als auch viel, viel teurere Lösung. Doch egal. Der Endverbraucher zahlt ja. Mit höheren Produktpreisen, als auch mit höheren Abgaben und/oder Steuern.

So gilt: Gier frisst Hirn. Der Verstand bleibt auf der Strecke. Doch Konten füllen sich. – Bravissimo.

Eines ist gewiss, durch die Verwendung von Urin in der Landwirtschaft ließen sich enorme Mengen an Energie einsparen.

https://www.bundestag.de/resource/blob/567976/bb4895f14291074b0a342d4c714b47f8/wd-8-088-18-pdf-data.pdf

Denn die Düngerherstellung, mittels Haber-Bosch Verfahren, benötigt viel, wirklich viel Energie um aus dem Stickstoff, der in unserer Atemluft vorhanden ist, reaktiven Stickstoff herzustellen.

So all die notorischen Warmduscher und Waschlappenverächter aufatmen können. Um, von Lasten befreit, in den folgenden stillen meditativen Minuten, den in Hygienethemen verirrten Volksvertretern, insgeheim und natürlich nur in ihrer Imagination, den wohlverdienten Stinkefinger zu zeigen.

Doch halt. Was ist dann mit den Arbeitsplätzen in der Düngermittelindustrie?

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/dessau/wittenberg/skw-stickstoffwerke-piesteritz-folgen-betriebsstopp-100.html

Na, die fallen hinten über. Zu energiehungrig ihr Produkt. In Ländern, in denen dauerhafte Energiepreise weit oberhalb vom durchschnittlichen Weltmarktpreis verlangt werden, führen die zwangsläufig zur Schließung von industriellen Produktionsstätten. Die Firmen sind dann auf dem Weltmarkt schlicht nicht mehr konkurrenzfähig.

Weshalb auch, zur Düngemittelversorgung, die ungeliebte Gülle, wieder in den Fokus rückt.

Die Bauern mit „Nutztierhaltung“ freut es.

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Ungeliebte-Guelle-wieder-stark-nachgefragt-article23528784.html

So ist das: des einen Freud, des andern Leid.

Aber es betrifft ja nicht nur die Düngemittelindustrie. Betroffen von den derzeit in unserem Lande außer Rand und Band geratenen Energiepreisen, sind im Prinzip alle produzierende Firmen. Sie alle benötigen Energie. Viel Energie. Und ich wiederhole, wird diese Energie im Lande teurer gehandelt als in Wettbewerbsländern, entstehen Nachteile. Oft große. Was bei den Verantwortlichen in den Vorstandsetagen zunehmend Ängste und Bangen auslöst. Sie werden tun, was zu tun ist. Nämlich die Notbremse ziehen. Sie werden Anlagen stilllegen. Arbeitnehmer in Kurzarbeit schicken.

Ist kein Ende absehbar, bleibt nur die Schließung oder die Verlagerung.

Betriebswirtschaftliches Einmaleins.

Da wir in Europa leben, einem Gebiet der Welt mit nur wenigen fossilen Ressourcen – die nun einmal nach wie vor die industrielle Produktion antreiben – dürfte die Fortsetzung der derzeitigen Energiepolitik, zwangsläufig ins Abseits führen. In die Deindustrialisierung.

Die Konkurrenten wird es freuen. Bleibt mehr für sie.

Für die Bürger betroffener Länder aber eher weniger. Denn Steuereinnahmen werden sinken. Damit werden auch die Wohltaten, die Politiker gern ankündigen, unbezahlbar werden.

All das bedeutet Verlust an Wohlstand.

Wird interessant werden, zu beobachten, wer davon betroffen sein wird.

Vermutlich „die kleinen Leute“. Wie üblich. Denn die Vermögenden werden wissen, wie sie darum herum kommen. Sie haben Erfahrung. Macht und Einfluss. Überzeugungskraft. Besitzen Drohkapital.

Der Satz: „Wir sitzen doch alle im selben Boot“, wird dann, von deren Seite, wohl öfter fallen.

Wenn überhaupt, wird es ein symbolisches Opfer geben. Eines, das sie weitgehend ungeschoren lässt. Eines das den Wählern, Sand ins Auge streut.

Bürger in Ausnahmezuständen sind leidensfähig. Bin gespannt, wie lange und wie sehr.

Ah. – Sorry für den Umschweif. Er zeigt allerdings wie selbst abseitige Themen, Aktualität gewinnen können. Und – nur ein weiterer Hinweis darauf, das eigentlich alles mit allem verbunden ist.

Doch zurück zum Thema Gülle.

Im Zusammenhang mit der möglichen Medikamentenbelastung des menschlichen Urins hilft beim Verständnis des Sachverhaltes auch der Blick auf die Medikamentenbelastung (Stichwort: Antibiotika) von Gülle. Und wie die bewertet wird.

https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/05_Tierarzneimittel/03_Tieraerzte/05_Antibiotikaresistenzen/04_Umwelt/Umwelt_node.html

https://www.agrarheute.com/management/finanzen/studie-antibiotikahaltige-guelle-stoert-boden-bakterien-453533

Dabei lassen sich die meisten Probleme beim Ausbringen von Gülle, mit durchaus einfachen Methoden, beheben.

https://em-chiemgau.de/landwirtschaft/guelle-richtig-behandeln-und-alle-haben-was-davon/

ttps://chiemgau-agrar.de/2021/03/23/video-erfahrungsbericht-gullebehandlung-nach-dem-rosenheimer-projekt/

Und es soll auch nicht unerwähnt bleiben, das auch durch Einsatz der Chlordioxidlösung (CDL), den Schwierigkeiten begegnet werden könnte.

Allerdings will ich mit diesen Hinweisen nicht die hierzulande irrsinnige Produktion von Gülle gut heißen. Die ja direkt mit der „Nutztierhaltung“ in Verbindung steht.

Das sich da einiges ändern muss, ist unbestritten.

In den Niederlanden, mit noch exzessiverer „Nutztierhaltung“ als bei uns, will der Gesetzgeber mit drastischen Verboten, den Schwierigkeiten zu Leibe rücken.

Was die Landwirte dort als Angriff auf ihr Hab und Gut deuten. – Durchaus zurecht.

https://www.sueddeutsche.de/politik/niederlande-bauern-stickstoff-1.5612577

Mit dem „Rosenheimer Projekt“ ließen sich möglicherweise auch dort die augenfälligsten Folgen meistern, die die derzeitige Entsorgung der Gülle verursacht.

Ein darüber hinaus führender Hinweis. In Ländern mit ausufernder „Nutztierhaltung“ ist die anfallende Gülle nur ein Teil der Problematik. Denn die Haltungsbedingungen sind, nett formuliert, schlicht Tierquälerei.

Doch darüber zu reden ist nicht einfach. Viele Interessen sind da im Spiel. Es geht wie immer um Geld. Um viel Geld. – Auch um bäuerliche Existenzen. Um Ernährungsgewohnheiten. Ernährungssicherheit. Um übermäßige Nitrateinträge in Böden und Gewässer. Als auch um vermeintlichen Naturschutz (Stichwort: CO2). Allerdings fast nie um Tierschutz. Von Ethik und Tierwohl gar nicht erst zu reden.

Insgesamt eine ziemlich explosive Gemengelage. Der sich mit Vorsicht zu nähern ist. Schnell ist da ein Satz gesagt oder geschrieben der ungewollte emotionale Reaktionen auslöst. Möglicherweise gar so heftig in der Replik, das es dann beinahe unmöglich wird, von Mensch zu Mensch zu reden.

Wem wäre damit gedient?

Also werde ich mich bemühen, mich der Thematik nachsichtig und zurückhaltend zu nähern.

Der Vorsatz steht. Ob ich ihn achten kann, wird sich in künftigen Beiträgen zeigen.

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