Widerständig
Widerständig

Widerständig

Wer Gewalt ablehnt, und Fleischverzehr gutheißt, ist bestenfalls ein Heuchler.

Denn jeder Bockwust, jedem gegrillten Steak, jedem Grillhähnchen und all den vielen anderen Fleischzubereitungen, geht ein Gewalttat voraus. Eine Tötung. Immer. Ohne die, gibt es kein Grillhähnchen, kein gegrilltes Steak und auch keine Bockwurst. Überhaupt kein Fleisch, egal in welcher Form. – Punkt.

Nicht da sie mich missverstehen, es wird heute kein Grundkurs in Veganismus geben. Auch kein Fleischesser-Bashing.

Es geht um etwas anderes. Um Wahrhaftigkeit. Glaubwürdigkeit. Offenheit.

Als auch um Widerstand. Um dessen Legitimation. Und um die Frage, ob dies gewaltfrei möglich ist.

Widerstand ist ein sehr aktuelles Thema. Und eines das Kontroversen in sich birgt. Heftige. Denn es rührt an den Grundlagen und am Grundverständnis unseres Gemeinwesens.

Die Mächtigen eines Landes mögen ihn nicht. Macht er ihnen doch das Leben schwer.

Problemlos gestattet wird er inzwischen von offizieller Seite eigentlich nur dann, wenn es den Zielen der Mächtigen dient. Ansonsten muss sich der Bürger das Recht aufs Neue erkämpfen. Tag für Tag.

Zusammenrotten und lautstark „Nein“ rufen. Nur mit Anmeldung.

Wie sie haben keine. Dann halten sie besser den Mund. Sonst muss ich ihre Personalien aufnehmen und ein Bußgeld verhängen. Sie gar verhaften, sagt der Polizist, der im Auftrag der Mächtigen handelt.

Sie glauben mir nicht.

https://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/spaziergaenge-versammlungsrecht-100.html

Unpopulär die Widerständigen sind. In Ruhe und Frieden leben will – die Mehrheit der Bevölkerung. Ich sie reden höre: es schon richten werden, die Politiker.

Ja, ist das so?

Und selbst wenn. Darf ich als Bürger trotzdem ihren Äußerungen und ihrem Tun ablehnend gegenüberstehen?

Ja, darf ich. Es ist mein Recht als Bürger. Als Teil des Souveräns.

Das dafür oft ein Preis zu zahlen ist, ändert am Recht erst einmal nichts. Es ist Selbstermächtigung.

Und in einer Demokratie, die sich ernst nimmt, eine Selbstverständlichkeit.

Doch das es angesichts der Verhaftungen von prominenten Widerständlern, wohl nach dem Motto: bestrafe einen und erziehe Hunderte, anscheinend keine mehr ist, lässt tief blicken. Denn ein wesentliches Recht innerhalb einer demokratisch legitimierten Öffentlichkeit, ist das Recht der freien Rede.

Ist die nur noch eingeschränkt möglich, ersichtlich wenn Journalisten vermehrt ihre Schere im Kopf nutzen, Bürger ihre Kritik verklausulieren oder ihre Statements zunehmend selbst verwässern und damit ins Lächerliche ziehen, verliert ein solches Gemeinwesen zusehends an Legitimation.

An dem Punkt sind wir nun angelangt.

„Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und zu sagen: nein“

(Kurt Tucholsky)

Es gilt die eigenen roten Linien zu finden. Und dann konsequent, „Nein“ zu sagen.

Denn ändern kann man sich genaugenommen nur selbst. Da beginnt die Reise.

Es ist Mut, eine gewisse Kühnheit erforderlich, um sich seinen Ängsten zu stellen. – Selbstüberwindung.

Es gilt dem „Lauwarmen“ abzuschwören.

„Ich weiß deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Du sprichst: Ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts, und weißt nicht, dass du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß.“

(Offenbarung Kapitel 3, Vers 15 bis 17)

Also was tun?

Mahatma Gandhi war einer dieser seltenen Wesen in der Menschheitsgeschichte, der seine Motivation und sein Tun hinterfragt hat und als Erkenntnis daraus begann, den Widerstand zu erforschen. Und sich dabei selbst entsprechend kultiviert hat.

Verewigt in seiner Lehre des „Satyagraha“.

Seine Grundprämisse: Handle aus tiefer innerer Kraft; aus der erkannten Wahrheit heraus.

https://de.wikipedia.org/wiki/Satyagraha

Und ein wirklich überraschend ersprießlicher Beitrag, angesichts des Herausgebers.

https://www.bpb.de/themen/asien/indien/310374/an-der-wahrheit-festhalten/

Verinnerlicht ist „Satyagraha“ das Heraustreten aus dem „Lauwarmen“.

Das mag befremdlich wirken.

Besonders wenn Menschen sich für ihre Wahrheit auf dem Asphalt festkleben.

Zu behaupten das seien alles Ökospinner, die der Lüge des Klimawandels erlegen seien, greift zu kurz. Wird ihnen nicht gerecht. Und ist vielmehr ein Abwehrmechanismus. Stichwort: Kognitive Dissonanz.

Ganz klar, die Einschränkungen die Autofahrer wegen der Straßensperrung erleben, darunter im Stau feststeckende Rettungsfahrzeuge, sind keine Petitesse. Und sollten auch entsprechend sanktioniert werden.

Doch jeder Widerstand hat irgendwelche Auswirkungen. Genauso wie das Profitdenken, in seinen Sachzwängen.

Wer hat das Vorrecht? Muss es überhaupt eines geben?

Ginge es nicht vielmehr darum, gemeinsam mögliche alternative Wege zu erkunden?

Um damit unerfreulichen Auswirkungen aus dem Weg zu gehen.

Wären die Kraftverhältnisse der Kombattanten gleich stark, gelänge dies wahrscheinlich auch. Nur sind sie es nicht.

Die Befürworter der Zinsnahme haben unzweifelhaft die Übermacht. Überall auf der Welt. In allen Ländern.

Die Torheit hat eine unglaubliche Dynamik.

Er bringt Megalomanen hervor, die einer Hybris erlegen sind, die nichts als Zerstörung bringt. Sie schwafeln von Fortschritt. Von überragender Technik. Und angeblich die Entwicklung der Menschheit voranbringt. – Fragt sich nur wohin?

Doch eindeutig nicht in den Himmel. Sondern geradewegs in die Hölle.

Schauen sie sich die empfindsamen Wesen an, die uns Menschen viel mehr ähneln als vielen lieb ist, wie sie in unseren „Tierfabriken“ vegetieren. Für sie ist die Hölle längst Realität.

Jeder Quadratzentimeter mehr Platz kostet Geld. Jedes Zugeständnis ans Tierwohl mindert die Rendite.

Doch wie auch immer die Lebensverhältnisse, ist das gewünschte Gewicht erreicht. – Ab ins Schlachthaus.

Doch es besteht Hoffnung auf Besserung. Die Kritik an ihrer Haltung, ihrem Zweck, kommt mehr und mehr bei den Bürgern an. Denn nicht umsonst ist zunehmend von im Labor gezüchtetem Fleisch die Rede.

Hurra. Der „Fortschritt“ erklimmt neue Höhen.

Weitermachen ist das Motto. Stillstehen und nachdenken – nicht doch. Allein die Frage aufzuwerfen, ob aus ethischen Erwägungen, der Weg des Fleischverzehrs nicht grundsätzlich ein Fehler der Menschheitsgeschichte war, ist verpönt. Denn das Züchten von Laborfleisch verspricht Gewinne. Arbeitsplätze. Und damit Einkommen.

Profitstreben halt.

Dessen Auswirkungen zwar beklagt werden. Doch diskutiert werden meist nur Marginalien. Einige beißen sich bestenfalls an Ungereimtheiten fest. Sehen aber viel zu selten die eigentliche Ursache.

Das sind die Lauwarmen. Die sich immer anpassen. Leise Kritik äußern, aber dann doch im Strom mitschwimmen.

Die wenigen, die sich darüber erheben und Widerstand leisten, werden abgekanzelt. Als Spinner, Ewiggestrige, Linksextreme, Rechtsextreme, Aluhutträger, und wer weiß noch was alles bezeichnet, nur um ihre Glaubwürdigkeit und ihren Anspruch zu untergraben.

Sie sind, selbst wenn sie sich mit eher abseitigen Themen beschäftigen, gefährlich für die Glaubensgemeinschaft der Renditeanbeter. Denn wer sich an Randthemen abarbeitet, kommt irgendwann nicht umhin, der wirklichen Ursache ins Auge zu schauen.

Und das muss, nach Ansicht der Mächtigen, unbedingt verhindert werden.

Denn die Grundlage ihrer Macht beruht darauf.

Für sie gilt – und zwar immer: Die Rendite ist sakrosankt.

Sie darf nicht infrage gestellt werden.

Und selbst der Vatikan tut es nicht. Nicht mehr. Trotz einer jahrhundertelangen Tradition der kirchlichen Zinskritik. Und obwohl in den Texten der Bibel fast unentwegt über die Folgen von deren Erhebung geklagt wird.

Dadurch sind sie zu Mitspielern, zu Unterstützern des Renditewahns mutiert. Die Kirchenoberen sind sprichwörtlich „wahnsinnig“ geworden.

In einem der nächsten Beiträge werde ich genauer darauf eingehen.

Würden die vielen ums Klima besorgten jungen Leute um Greta Thunberg; ebenso engagierte Leute der Tierrechtebewegung; Umweltbewegte, die sich auf Greenpeace berufen; auch Reichtumskritiker merken, wie sehr sie selbst noch in der Verzinsungsnarretei gefangen, verstrickt sind und wie kurzsichtig ihre Kritik an den Verhältnissen ist, bestünde Hoffnung auf Änderung.

Besonders dann wenn so jemand Prominentes wie Luisa Neubauer, aus „gutem Hause“ stammend, sich der Manie entziehen könnte.

Ob das geschehen wird? Wohl eher nicht.

Aber ausschließen will ich es auch nicht. Aber das wäre dann so, als würde sie sich selbst zum schwarzen Schaf der Familie küren. Eines das bereit ist, der erkannten Wahrheit wegen, einen wesentlichen Anteil der unablässig sprudelnden Quelle des Familienreichtums stillzulegen.

Was der Papa oder die Mama dazu wohl sagen würde?

Mahatma Gandhi hat aufgezeigt das es grundsätzlich möglich ist. Er stammte aus gutem Hause. Sein Vater, als Premierminister am Hofe eines kleinen Fürstentums tätig, gehörte zur Elite.

Gandhi distanzierte sich später von seiner Herkunft und wollte, wenn er denn wiedergeboren würde, als Unberührbarer wiederkehren. Er fühlte sich verbunden mir den unterdrückten und ausgebeuteten „Kastenlosen“ . Er gab den Parias, den Ausgestoßenen, den Ehrentitel: „Harijians“, Kinder Gottes.

Er lehrte unter anderem die Bedürfnislosigkeit und „Ahimsa“, die Gewaltlosigkeit.

Sein politisches Vorgehen, das auf diesen Maximen aufsetzte und Erfolge zeigte, machten ihn weltberühmt.

Er gilt als Vater des Weges des gewaltfreien Widerstandes. Dem weltweit mehr und mehr Menschen folgen.

Führende Politiker aber anscheinend immer weniger.

Dabei ist die Idee, Gewaltlosigkeit wirklich bestrickend. Weil sie so gänzlich anders ist. Und Macht nicht um ihrer selbst willen beansprucht. Sondern auf Einsicht und Menschlichkeit baut.

Es geht darum den Teufelskreis, Gewalt erzeugt Gewalt, zu durchbrechen. In menschlichen Austausch zu gelangen. Im Gespräch Lösungen zu finden. Statt sich gegenseitig abzuschlachten und in Gefühlsstürmen gefangen zu sein, die dann kaum noch zu kontrollieren sind.

Das dies keine einfache Übung ist und immer wieder auch an die Grenzen des Erträglichen führt, ist klar. Dann kommt die Wahrheit ins Spiel.

Dazu ein Auszug aus dem obigen link der Bundeszentrale für politische Bildung

„Gottessuche, Gewaltfreiheit und Selbstkontrolle gehören also bei Gandhi untrennbar zusammen und bilden eine ganzheitliche Lebensweise, die er mit dem Begriff satyagraha, also: das Festhalten an der Wahrheit, bezeichnet hat. In ihr sind Religion und Alltag, Denken und Handeln, Ziel und Mittel nicht getrennt. Das letztendliche Ziel menschlichen Strebens nach Wahrheit ist, Gott zu finden und damit seine eigene Erlösung zu erlangen.

Gandhi sah klar, dass die Frage, was Wahrheit ist, schwer zu beantworten sei. „Die Frage ist schwierig, aber ich habe sie für mich selbst gelöst, indem ich sage: Es ist, was die Stimme im Innern sagt … Jeder sollte darum seine Beschränkungen erkennen, ehe er von der ‚inneren Stimme‘ spricht“. Das eigene, einer dauernden strengen Selbstprüfung unterworfene Gewissen wird so zur Entscheidungsinstanz wahrhaften Denkens und Handelns. Das Gewissen der Individuen fällt jedoch nicht immer gleich aus. Im Alltag ist daher „gegenseitige Toleranz die goldene Verhaltensregel“, die „Schönheit des Kompromisses“ ein wesentlicher Teil von satyagraha.“

Und etwas weiter im Text.

„Gandhis Denken und Handeln ist nicht einfach mit gewaltlosem Widerstand oder bürgerlichem Ungehorsam im Sinne eines politischen Zweckmittels gleichzusetzen. Satyagraha als reine politische Strategie ist kraft- und wirkungslos. Gandhi hatte einmal satyagraha mit soulforce wiedergegeben. Er meinte damit die Macht der (Nächsten-) Liebe, eine Macht, die den Gegner für sich gewinnen will, indem sie an seine in ihm wohnende Menschlichkeit appelliert, auf dass er von seinen Plänen ablässt. Mit Mut, Furchtlosigkeit und Standfestigkeit stellt sich der Wahrheitssucher dem Übel entgegen und ist bereit, Leiden auf sich zu nehmen, im äußersten Fall sogar den Tod. Seine Waffe ist nicht Zwang oder Gewalt, sondern die Macht der Liebe, die den Hass überwinden soll.“

Von solcher Konsequenz im Denken und Handeln sind die meisten von uns allerdings meilenweit entfernt.

Ernsthaft Yoga Übende habe sich jedoch auf den Weg gemacht. Sind bestrebt dem Konsum, der Idee des ständigen Mehrverbrauchs, zu entfliehen. Üben Genügsamkeit. Unbedingten Friedenswillen. Wollen alle Lebewesen achten und ihnen und allen Mitmenschen gegenüber gewaltlos handeln.

Auch gilt: sich selbst stets kritisch zu beäugen. Um über die eigenen spirituellen Begrenzungen hinaus zu wachsen.

Was die Lehre des Yoga angeht, ist, weltweit, in den letzten Jahren ein regelrechter Boom ausgebrochen, der hoffnungsvoll stimmt Ob die Hoffnung berechtigt ist, wird sich zeigen.

Derzeit sind die Stimmen, die sich für Gewaltlosigkeit aussprechen, allerdings kaum zu hören.

Falls die Bellizisten mit ihrem Machtanspruch, ihrem Gewinnstreben und dem ihm immanenten Zerstörungswillen, weiter an Zustimmung gewinnen, dürften bald dunkle Zeiten auf uns zukommen.

Dann wird jedes, jedes auch privat geäußerte Friedenswort, das sich dem entgegenstemmt, wichtig sein. Es kann vielleicht Leben retten. Und uns, wenn es sich weiter herum spricht, möglicherweise vor dem Rückfall in Barbarei bewahren.

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