Trau, schau, wem.
Oder: „Wer nicht genügend vertraut, wird kein Vertrauen finden. (Laotse)“
Wenn das Treffen zwischen Wladimir Putin und Donald Trump auf der Militärbasis in Alaska eines gezeigt hat, dann, dass es ohne gegenseitiges Vertrauen keine diplomatischen Erfolge gibt.
Ob das Ergebnis nun unter politischen Aspekten positiv oder negativ zu bewerten ist, vermag ich nicht zu sagen. Jedoch ist allein das Zustandekommen dieses Treffens ein Lichtblick. Denn ihm gingen allerhand Gespräche zwischen Vertretern beider Staaten voraus. Es bedeutete, nach langer Schweigsamkeit, die Rückkehr der Diplomatie. Und damit zur Kunst der Verhandlungen.
Eine Kunst, die stets ein Mindestmaß an Vertrauen voraussetzt. Denn ohne, bleibt nur gegenseitiges Unverständnis. Gefolgt von Vorwürfen und taktischen Manövern.
Jeder, der schon einmal eine bittere Trennung von einem Partner erlebt hat, kennt das.
Wie im Kleinen, so im Großen. Bei Letztgenanntem steigen nur die Möglichkeiten der Verunglimpfung und des Ränkeschmiedens an.
Daraus einen Ausweg zu finden, benötigt gehörige Anstrengungen. Eigene Positionen infrage zu stellen, sie gar zu räumen, fällt nicht leicht. Besonders dann, wenn tiefe Gräben, einander trennen.
Bevor Gräben zugeschüttet werden können, bedarf es allerdings erst einmal einer Brücke, auf der sich beide zu Gesprächen einfinden.
Wenn keiner der Beteiligten zum Brückenbau bereit ist, gibt es auch keine Annäherung. Wenn einseitig betrieben, bleibt ein erhöhtes Risiko, der feindliche Gegenschlag.
Um dem zu entgehen, bleibt oft nur der Blick zurück, zurück in die Vergangenheit. In eine Zeit, die von Verständnis, gegenseitigem Wohlwollen und auch der nötigen gegenseitigen Achtsamkeit geprägt war.
Die Erinnerung daran besänftigt möglicherweise die gegenwärtigen emotionalen Wallungen und öffnet den Raum für ehrliche Gespräche. Die Voraussetzung für tragbare Lösungen.
Hilfreich dabei: Freunde, die den nötigen Weg vorbereiten.
Was dann folgen sollte: eine Bestandsaufnahme. Die nüchtern auflistet, welche Positionen vertreten werden. Danach dann die Einwilligung, auf eine tragbare Lösung hinzuarbeiten.
Indem erst einmal kleine Absprachen getroffen werden, deren Einhaltung dann Vertrauen schafft.
So geht es dann weiter, bis zu eher kritischen Fragestellungen. Die lassen sich dann bei einem persönlichen Treffen erörtern.
Zuerst auf neutralem Boden und später auch auf fremdem Terrain. Wechselseitig. So wachsen das Vertrauen und auch das Verständnis für eine andere Sichtweise.
Und nun wieder zurück nach Alaska zum Treffen des russischen und amerikanischen Präsidenten, dem Monate der Vertrauensbildung nach genanntem Muster vorausgingen.
Dass dieses Treffen auf einem amerikanischen Militärstützpunkt auf amerikanischem Boden stattfand, hat mich anfänglich überrascht. Denn es beinhaltete die Möglichkeit, wie klein oder groß auch immer, der Festsetzung eines Beteiligten auf fremdem Grund und Boden.
https://www.zdfheute.de/politik/ausland/putin-trump-alaska-einreise-ukraine-krieg-russland-100.html
Der Vertrauensbonus, den Präsident Putin dem amerikanischen Präsidenten mit der Annahme des Verhandlungsortes entgegengebracht hat, war jedenfalls enorm. Was darauf schließen lässt, dass die beiderseitigen diplomatischen Bemühungen der letzten Monate, das gegenseitige Vertrauen außerordentlich gestärkt haben.
Erfreulich, da es den Weg zu stabileren weltpolitischen Verhältnissen ebnen könnte. Denn nach wie vor sind die USA und Russland, neben China, derzeit die politisch führenden Nationen der Welt. Staaten, die in der Vergangenheit oft erbitterte Gegner waren und deren gegenwärtige Interessen sich oft widersprechen
Die Weltbevölkerung blickt deshalb mit Interesse auf sie.
Ob sich Putin und Trump als wahre Staatsmänner erweisen, die, indem sie die Wirtschaftsmacht China einbinden, ihr Charisma zur internationalen Friedensbildung und zu einer gerechteren Neuordnung der Weltökonomie nutzen, wird sich zeigen.
Jedenfalls haben sich die Chancen dazu, verbessert. Doch noch überwiegt der Pessimismus. Denn die Beharrungskräfte der außen- und innenpolitischen Gegner, sind nicht zu unterschätzen. Kräfte, die sich immer dann zeigen, wenn der Verlust von Macht, Einfluss und Geld droht.