Eines vorweg. Als dieser Blog startete, war die Hauptrichtung klar, doch bei den Einzelheiten klemmte es noch. Zumindest ein wenig.
Von einer dieser „Kleinigkeiten“ wird jetzt die Rede sein. Dem Negativzins.
Denn auch diese Woche war er mal wieder Thema. Der Bundesgerichtshof hatte dazu ja schon im Februar diesen Jahres ein Urteil gefällt. Dessen Folgen nun sichtbar werden. Worum geht es? Das können sie in dem recht aktuellen Beitrag von ntv nachlesen.
Apropos: Zum Thema Negativzinsen habe ich schon im April 2025 einen Beitrag geschrieben.
Negativzinsen sah ich lange Zeit eher positiv, weil sie in die richtige Richtung weisen: Geld darf nicht gehortet werden. Warum ich das schon 2021 so gesehen habe, steht hier:
Gegenwärtig sehe ich jedoch immer deutlicher, dass die aktuelle Form der Negativzinsen (wie von den Banken praktiziert) eine Enteignung ist – während eine intelligente Demurrage-Lösung genau denselben Effekt hätte: gerecht, ohne Zwang.
Wie immer lohnt es sich, genau hinzuschauen. Der Negativzins trifft nämlich alle Bürger gleichermaßen. Er tut sein Werk zuverlässig, Tag um Tag. Ob arm oder reich, egal. Während eine Parkgebühr oder Liegegebühr, Demurrage, wie sie im Fachjargon genannt wird, nur die trifft, die den vereinbarten Zeitraum überschreiten. Die Gebühr sorgt im Allgemeinen für zügige Abholung. Denn Lagerraum ist teuer.
Teuer, wie der Parkraum in unseren Städten. Das hat schon dazu geführt, dass alte, schrottreife Autos, im öffentlichen Raum abgestellt werden. Sie werden üblicherweise nach einiger Zeit abgeschleppt und entsorgt.
Etwas, was durchaus auch für Container gilt. Denn auch die werden, sogar häufiger, als alte Autos, nicht mehr abgeholt. Wobei da weniger öffentliche Flächen, als begrenztes Hafengelände betroffen ist. Weshalb die Lagerung von Containern in den Lieferverträgen auch genauestens geregelt werden. Im allgemeinen sind Container durchaus wertvoll. Es geht also weniger um schadhafte Container, als um deren Inhalt. Dessen Verwertung, oft die Kosten eines Containerkaufs übersteigen. Also wird er einfach aufgegeben.
Er wird dann von Hafenbehörden, die häufiger damit zu tun haben, oder im Auftrag von betroffenen Reedern, einfach verscherbelt.
https://symlog.eu/de/baza-wiedzy/jak-wziac-udzial-w-licytacji-nieodebranych-kontenerow-z-towarem
https://www.bonus-bunny.de/geld-verdienen/nebenverdienst/mit-schiffscontainern-geld-verdienen
Ein wahres Eldorado für Schnäppchenmärkte. Risikoreich, bei Marktkenntnis jedoch ein Selbstläufer.
Weshalb unser Geld, als wichtigstes Instrument des Handels, so bleiben soll, wie es ist, ist wohl gehütetes Geheimnis derjenigen, die mit allen Mitteln, wirklich mit allen Mitteln, dafür Sorge tragen, dass es so bleibt. Denn es ist die Hauptquelle ihres Reichtums, ein stetiger Strom, der versiegen würde, wenn die Demurrage auf Geld Wirklichkeit würde. Das darf ihrer Ansicht nach, nicht sein.
Dennoch. Würde unser Geld, den verderblichen Waren gleichgestellt, durch einen Abschlag, hätte das gravierende Auswirkungen. Einschub: Nichts auf dieser Welt ist ewig. Entstehen und Vergehen sind in die Matrix eingebaut. Nur die Zeiträume variieren. Einschub Ende.
Angenommen nach jedem Ablauf von dreißig Tagen würde eine Liege- oder Parkgebühr von 1% erhoben. Was geschähe wohl?
Beinahe alle Menschen, die am Monatsende, größere Summen ihr Eigen nennen, würden nach Auswegen suchen. Nach Auswegen, um dem Angebotsdruck aus dem Weg zu gehen. Doch die sind rar gesät und vom Gesetzgeber durchaus zu schließen. Der Wille dazu reicht. Doch daran mangelt es – bisher. Dabei gäbe es bei einer Einführung einer derartigen Gebühr in absehbarer Zeit keine Hortung von Geld mehr, da jeder der versucht Geld festzuhalten, Wertverlust erleidet. Motto: der Rubel muss rollen.
Und noch eins: glauben sie mir, Geldhortung ist viel umfangreicher, als die meisten Bürger annehmen.
An der Börse, oder noch deutlicher sichtbar im Immobilienhandel, wird gern Geld gehortet, um Preise zu manipulieren. Spekulation nennt sich das. Diesem volkswirtschaftlich schädlichen Treiben würde dann ein Ende gesetzt. Und nicht nur dem. Denn positive Zinssätze würden dann eine Ausnahme sein. Unser ganzes Finanzsystem würde quasi über Nacht zu weit gerechteren Marktverhältnissen führen. Und zwar ohne, das die die ärmeren Bevölkerungsschichten zur Kasse gebeten würden. Denn die geben ihr Einkommen eh weitgehend während des Monats aus. Da bleibt nicht viel zum Horten. Weshalb die Demurrage-Lösung der Negativzinslösung auch definitiv vorzuziehen ist.
In diesem Fall müsste der Bundesgerichtshof wohl auch anders entscheiden als beim Negativzins. Denn es gibt ja eine Ausweichmöglichkeit – die Investition des geparkten Geldes in reale Projekte.
Also kein unausweichlicher Mechanismus, der wie Negativzinsen, Vermögen raubt.
Es wäre dann ein Rechtsurteil, das tatsächlich fast allen Menschen dient. Auch jenen, die in der Notenbank ihre Brötchen verdienen. Denn sie könnten dann eine gehörige Summe Bargeldes aus dem Umlauf nehmen. Summen, die immer als Bedrohung zukünftiger hoher „Inflationsraten“ über ihren Köpfen schweben.
Das die Vermögenden und insbesondere die Superreichen von einer solchen Parkgebühr nicht angetan sind, versteht sich von selbst. Doch ihr Handicap ist, sie sind eine winzige Minderheit.