Die verarschen uns doch

Ja, und das jeden Tag aufs Neue. Oft muss ich inzwischen lachen, wenn ich die Wirtschaftsnachrichten verfolge oder einen Notenbanker oder Finanzpolitiker sprechen höre.

Nicht, dass ich die Auswirkungen ihrer Taten und Reden damit kleinreden möchte, nein, im Gegenteil, es ist meist ein zynisches Lachen, kein befreiendes.

Es ist nicht so, dass mich der Arbeitsplatzverlust, vieler Menschen kaltlässt.

Aber, genau besehen, sind sie in der gegenwärtigen Ökonomie nur ein kleines verzichtbares Rädchen, innerhalb einer riesigen Geldumverteilungsmaschine. Genannt Zinssystem. Oder auch, in der modernen Version: Kapitalismus.

Ein Ismus, brutal, ausbeutend und einfach ungerecht.

Verzeihen Sie mir deshalb mein Lachen, wenn ich Powell oder Lagarde mit ernster Miene von „Stabilität“ sprechen höre, während die Asset-Preise explodieren und die Mieten der Normalsterblichen unbezahlbar werden.

Ich muss dann einfach lachen. Weil all das so bizarr, so abgehoben und menschenfeindlich ist

Jedes Zinssystem, der Kapitalismus ist da keine Ausnahme, verteilt Gelder zugunsten derer, die eh schon mehr besitzen. Dieser Fakt, der seit Jahrtausenden unbestritten ist und in der Bibel mit dem Verbot von Zinsen seinen Niederschlag gefunden hat, wird von Ökonomen gern umgedeutet und abgeschwächt. Doch Gott nennt den Zins eindeutig im Zusammenhang mit Raub (Hesekiel 18).

Auch Jesus hat etwas dazu gesagt: „Wer hat, dem wird gegeben – wer nicht hat, dem wird genommen.“

Merkwürdig, das dann in „offiziellen Kreisen“ im Zusammenhang mit Zinsen bestenfalls von Wucher die Rede ist, den es zu verhindern gilt.

Doch wann beginnt der Wucher? Bei 15, 20, 25 Prozent oder doch schon einem oder zwei? Oder ist selbst das schon viel zu viel?

Diese Frage ist keine Bagatelle, sondern bildet den Kern biblischer Zinskritik.

Die Verbindung des Zehnten mit dem Thema Zins habe ich in früheren Beiträgen ja ausführlich dargelegt.

Weshalb ein 1-prozentiger Zinssatz auch durchaus als unrechtmäßig erhoben gelten könnte.

Scheint absurd zu sein, ist aber eigentlich nur bizarr, weil wir es nicht anders kennen. Wer nach Absurditäten sucht, findet sie zweifellos in unseren heutigen angewandten Finanzinstrumenten.

Methoden der Einflussnahme, die von der „Europäischen Zentralbank“ nach der Finanzkrise 2008 aus dem Hut gezogen wurden, um das Finanzsystem vor dem Kollaps zu bewahren. Lauter extreme Eingriffe ins Finanzsystem mit kryptischen Namen wie LTRO, SMP, CBPP1, ABSPP, PEPP und wie sie alle hießen.

Aber die Europäische Zentralbank war damit nicht allein. Notenbanker anderer Länder zogen mit. Der Chef der Fed und der japanischen Notenbank vorneweg.

Beide sind Teil eines beinahe geheim zu nennenden Gremiums, das sich aus 63 Notenbankchefs zusammensetzt, die sich, seit Jahren, regelmäßig alle zwei Monate in Basel treffen und in der Hauptniederlassung der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, Beschlüsse fassen. Ohne Protokoll. Jedoch stets mit internationaler Tragweite.

Und das besondere: Sie handeln vom Souverän getrennt. Mehr noch, sie sind gänzlich ohne deren Mandat. Und noch dazu unantastbar, weil unter Immunität stehend.

Vor zehn Jahren hab ich dann aufgehört, in all dem „Budenzauber“ noch irgendein Fünkchen Logik finden zu wollen. Mir wurde klar: Das ganze Theater dient nur einem Zweck: die Anhäufung von Reichtum bei wenigen zu schützen und möglichst als gottgewollt zu verkaufen.

Dazu ein Zitat von Lloyd Blankfein, dem damaligen CEO von Goldman Sachs, der in einem Interview mit der Sunday Times im November 2009 wörtlich sagte: „I’m doing God’s work“.

Weshalb ich ihn zitiere: Lloyd Blankfein ist der Prototyp dieser abgehobenen Klasse, die in den Notenbanken residiert. Seine spätere Ausrede, das sei ein Scherz gewesen, spricht Bände.

All das erklärt, wie die Notenbanken zu einer Art Schattenregierung werden konnten, die über Billionen entscheidet, ohne jegliche demokratische Legitimation einzufordern.

Sie kaufen Staatsanleihen in gigantischem Umfang, was indirekte monetäre Staatsfinanzierung ist. Etwas was es im Euroraum laut Maastricht-Verträgen gar nicht geben dürfte. Sie halten Zinsen künstlich niedrig, pumpen durch die Ausweitung ihrer Bilanzen die Asset-Preise auf und sorgen so dafür, dass Reiche immer reicher werden, während in der Realwirtschaft, wo Produkte und Dienstleistungen gehandelt werden, wegen mangelnder Nachfrage, Investitionszurückhaltung geübt wird. Weshalb die Löhne und die reale Kaufkraft stagnieren und manchmal gar sinken. Kriege sollen jetzt das Absatzproblem lösen. Zerstören, um neu aufzubauen. Pervers. Wie sonst soll ich das nennen?

Mag sein, dass ja doch noch Außerirdische hier einfliegen und uns von diesen Qualen erlösen, indem sie uns Handelsverträge anbieten.

Doch Scherz beiseite.

Das Lehrgebäude der Volkswirtschaftslehre ist tatsächlich hinfällig geworden. Die Standardmodelle tun immer noch so, als wäre die Zentralbank nur ein neutraler Technokrat, der an diesem oder jenem Rädchen dreht. In Wahrheit sind sie der dominante Akteur geworden – die vierte Säule, die die anderen drei dominiert.

Der Staat? Abhängig von niedrigen Zinsen. Die Unternehmen? Die Großen spielen mit, die Kleinen ringen um Liquidität. Und die Konsumenten? Werden mit billigem Geld ruhiggestellt.

Bis die Rechnung kommt in Form von Preissteigerungen, höheren Mieten und Immobilienpreisen und Austerität. Was nur ein anderes Wort für Enteignung ist. Dazu können sie gern die griechischen Rentner befragen, die wissen, wovon ich rede.

All das ist Heuchelei pur: Notenbanker pochen weiter auf ihre „Unabhängigkeit“ und verteidigen ihr Handeln als „reines Preisstabilitätsmandat“, während man in jeder Krise das Mandat dehnt. Dehnt, bis es beinahe alles umfasst. Die Zielsetzung einer „Digitalen Zentralbankwährung“ ist da das Endziel. Macht über alle und jeden.

Und das scheint nicht mehr weit.

Sie mögen glauben, sie seien die Herren der Welt. Doch ich bin davon überzeugt, Gott wird sich das nicht mehr sehr lange anschauen.

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