Der journalistische Standard – was für eine Farce

Manchmal ist der Eindruck, sich urplötzlich in einem Paralleluniversum wiederzufinden, überwältigend.

https://www.n-tv.de/politik/ZDF-beruft-New-York-Korrespondentin-nach-KI-Bilder-Eklat-ab-id30385349.html

In einer der Nachrichtensendungen des ZDF fand sich doch tatsächlich ein KI-modelliertes Video. Und der Gipfel der Zumutung: Es wurde zusätzlich auch noch eine 4 Jahre alte Filmsequenz gesendet, um die Aussage des Beitrages zu bekräftigen.

Ein medialer Aufschrei folgte. Woraufhin ein Kopf rollte. Allerdings nicht wörtlich, sondern nur im übertragenen Sinne. Als Jobverlust. Und als indirekte Folge: Karriere perdu.

Für die Person tragisch. Zweifelsohne. Wobei sie recht sanft fällt. Der alte Job ist weg, aber ein neuer, hoch dotierter, steht schon bereit.

Es ist, als hätte es all die Diskussionen um die Wahrhaftigkeit von Fotografien und Filmmaterial nie gegeben. Als wären die Fälschungen von klassischen Fotos und von deren zugrunde liegenden Negativen nie geschehen. Was natürlich Quatsch ist.

Jeder mit ein wenig Belesenheit weiß, um diese Vorgänge innerhalb der analogen Fotografie.

Und wer heutzutage digitale Fotos und Bilder bearbeitet, wie es nun einmal „Medienleute“ tun, kennt Photoshop und ähnliche PC-Programme, die dies, im Gegensatz zur analogen Fotografie, auf recht einfache Weise ermöglichen.

KI-generierte Fotos und Videos sind letztlich nur die konsequente Fortsetzung dieses Trends. Nicht mehr, nicht weniger.

Inwieweit Bilder und Filmsequenzen Aussagekraft haben, ist eine ganz andere Frage. Jedes Bild zeigt stets nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit. Nie das Ganze. Ist insofern eh schon ein subjektiver Blickwinkel. Womit auch die Aussagekraft eines Bildes zwangsläufig subjektiv ist.

Wer etwas anderes behauptet, weiß nicht, wovon er redet.

Die Idee eines objektiven Journalismus, die, von den öffentlich-rechtlichen Medien, allerdings nicht nur von ihnen, ständig wie ein Mantra wiederholt wird, ist eine Fata Morgana, die verschwindet, wenn man genauer hinschaut. Oder auch, anders formuliert, als würde eine Monstranz getragen, deren Schleier weggezogen wird. Und dann bleibt (kleiner Scherz am Rande), nur noch der blanke, nackte Wahnsinn.

Der berühmte amerikanische Medienkritiker Noam Chomsky hat das bereits vor Jahrzehnten, am 16. Juni 1993, in einem Radio Interview mit David Barsamian geäußert.

„This mask of balance and objectivity is a crucial part of the propaganda function“.

Das heißt: Die Massenmedien geben schlicht vor, objektive Nachrichtenvermittler zu sein, doch in Wahrheit filtern sie systematisch alles heraus, was die Interessen der Eliten bedroht.

Journalisten mögen annehmen – oft in gutem Glauben –, dass sie objektiv berichten, während die Strukturen und deren Zwänge oder die Eigentümer, letztlich entscheiden, was dann als „Nachricht“ gilt.

Genau das zeigt der ZDF-Fall: Ein Skandal wird auf einen Einzelfehler reduziert, statt die systemische Verlogenheit anzuprangern.

Und wie schon gesagt: Wenn die Schleier weggezogen werden, bleibt nur der blanke, nackte Wahnsinn.

Weshalb die meist deutlichen Aussagen und Hinweise von schwarzen Schafen dazu, mithin wohl auch deshalb eher unerwünscht sind, weil sie, allerdings auch gern mit allzu viel Inbrunst, auf die Wahrheit hinweisen.

Denn Wahrheit ist eine gefährliche Waffe, deren Verwendung unbedingt geregelt werden muss. Auch um den Preis von deren Verlust.

Und das ist die Wahrheit.

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