Veränderung ist ein Prozess
Veränderung ist ein Prozess

Veränderung ist ein Prozess

Ein gutes halbes Jahr ist es jetzt her, dass ich mich bei einem Hoster anmeldete, diesen Blog auf wordpress einrichtete und einige Wochen später frei schaltete.

Seitdem haben sich, mitsamt der vorausgegangenen Telegramartikel, schon so einige Beiträge angesammelt.

Doch das es an Kommentaren, an Rezeption mangelt, beschäftigt mich.

Man mag es mir als Ungeduld ankreiden, dass ich mich hier melde. Doch es ist mehr eine gewisse Unklarheit.

Sind die steigenden Besucher- und Zugriffszahlen positiv zu werten? Und wenn ja, warum?

Weshalb ich auch das Artikelrating freigeschaltet habe. Das nun unter jedem Artikel zu finden ist.

Doch ohne dazugehörige Kommentare ist auch das recht unbefriedigend. Weil wenig aussagekräftig. Trotzdem bitte ich darum ein Votum abzugeben, gern auch im Nachtrag, weil es zumindest Anhaltspunkte liefert.

Der vierzehntägige Veröffentlichungstakt wurde von mir, der sprachlichen Qualitätssicherung wegen, gewählt. Aber auch, weil Recherchen aufwendig sein können. Und nicht zuletzt, weil ich es nicht von Nachteil halte, einen gewissen zeitlichen Abstand zu aktuellen Ereignissen zu halten.

Hinzu kam bei der Entscheidung auch der erwartete Zeitaufwand zur Betreuung von Leserkommentaren. Auch beim Verfassen von eigenen.

Nun einige erklärende Sätze zu Kommentaren.

Bekannte, die mir in ihrem Haus, ihrem Wohnzimmer, ihrer Küche oder im Partykeller glauben, Verhaltensregeln aufnötigen zu müssen, die ein durchschnittlich sozial befähigter Mensch eh befolgt, solche Bekannte sind mir suspekt.

Wie lässt sich in einem derartigen Umfeld frei lachen, frei reden und frei denken?

Deshalb wird es hier keine derartig eng gestrickten Verhaltensregeln geben.

Sie mögen jetzt einwenden, durchaus zurecht, das Besucher eines Blogs, ihn nicht als das Zuhause eines anderen wahrnehmen. Nun denn.

Wahrscheinlich ähnelt der gut besuchte Kommentarbereich eines Blogs auch eher den Kontakten innerhalb einer größeren Firma. Auch dort treffen Menschen aufeinander, die privat oft überhaupt nicht kompatibel sind.

Oft auch namenlos bleiben.

Was von den kommentierenden Lesern eines Blogs ja nicht behauptet werden kann. Wobei es sich, genaugenommen, fast immer um Avatare handelt. Denn nur wenige Kommentaristen nutzen ihren bürgerlichen Namen. Doch selbst wenn ein Kommentarschreiber dies tut, gibt es als Leser kaum Möglichkeiten, dies zu eruieren.

Es sei denn, ein Kommentator gibt selbst entsprechende Hinweise. Wobei anzumerken bleibt, dass derartige Infos natürlich auch geschwindelt sein können.

So sollte von allen Kommentatoren, im Gegenüber, stets von von Avataren ausgegangen werden.

Warum ich so darauf poche? Nun, Avatare machen es schwierig, die dahinter stehende Person zu beleidigen. Sie sind Stellvertreter. Sind anonym. Sind genaugenommen Spielfiguren.

So sich jeder Kommentator darüber bewusst sein sollte, das in einer „gegnerischen“ Stellungnahme, er als reale Person nicht gemeint sein kann.

Keinen, dem im Eifer des Gefechts die Worte: „du bist so ein Pimmel“ heraus rutscht, werde ich dafür abmahnen. Erst recht nicht löschen, da diese Wortwahl eine gedankliche Verknüpfung hervorruft, die ja durchaus beabsichtigt sein kann – nein, sein dürfte.

https://www.focus.de/regional/hamburg/pimmelgate-nimmt-wieder-fahrt-auf-plakate-in-harburg-aufgetaucht_id_99284341.html

Trotzdem sollte mit persönlichen Infos sparsam umgegangen werden. Weil sie angreifbar machen. Und sind eigentlich auch nicht nötig. Da ja Argumente und nicht die berufliche Stellung, die Wahl des Wohnortes, ob ledig oder nicht, ob blauäugig oder tiefgründig oder das Einkommen, in einer Diskussion wichtig sein sollten.

Was nicht heißt, das keine persönlichen Erfahrungen eingebracht werden können. – Falls sie für das Verständnis notwendig sind – nur zu. Denn das Persönliche ist oft weniger persönlich, als gedacht.

Wer eine Blogadresse angibt, wird hier unter besonderem Schutz stehen. Da ein Verstecken hinter einem Avatar, aus presserechtlichen Gründen, ja nicht möglich ist. Er erhält das Signum: besonders geschützte Spezies.

Mag sein, dass dies, wenn sich hier wirklich ein Kommentariat bildet, im Umgang miteinander, manchmal eine Gratwanderung sein wird.

Damit es nicht falsch verstanden wird. Keinesfalls rede ich bewusst und gezielt lancierten „Ad Hominem Angriffen“ auf Avatare, als auch auf reale Personen das Wort. Im Gegenteil: sie werden von mir ohne Skrupel gemeuchelt, werden gnadenlos gelöscht.

Auch Offenlegungen von Fakten zur realen Person eines anderen Kommentators fallen unter diese Kategorie.

Gelöscht werden ebenso alle strafrechtlich relevanten Aussagen.

Von außen betrachtet ähnelt der Kommentarbereich eines Blogs einer Spielwiese, auf der sich Menschen mit unterschiedlichsten Motivationen und Interessen einfinden. Während auf einer Spielwiese es eher körperliche Aktivitäten sind, treffen in einem Blog Meinungen, Erklärungen, Stellungnahmen, Ansichten aufeinander. Hoffentlich in einer intellektuell und emotional herausfordernden Weise. So das Erkenntnisprozesse möglich werden.

Das dies nicht konfliktfrei ablaufen kann, weiß jeder, mit ein wenig Lebenserfahrung.

Dann ist der Blogbetreiber als Moderator gefragt. Eine Funktion, die ich auch gern wahrnehmen will. Denn ein Kommentariat ist mir wichtig. Gehört für mich zu einem Blog dazu. Bringt Würze hinein. Anstöße. Bestenfalls ganz neue Sichtweisen.

Und nicht zu unterschätzen: ein anspruchsvolles Kommentariat wertet den Blog auf. Macht ihn interessanter. Anziehender. Erhöht damit die Reichweite.

Um es ganz klar und eindeutig zu formulieren: ich bin kein Befürworter von gehobener Netiquette. Von übertriebener Rücksichtnahme. Die nötige Auseinandersetzungen eher behindern, denn fördern.

Wer alt genug ist und das Vergnügen hatte in den siebziger und frühen achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts im Bundestag Diskussionen zu folgen – und auch deren Rezeption in den Medien – weiß was eine lebendige Debattenkultur ausmacht.

Heutzutage erstickt ja alles in politischer Korrektheit. Politische Debatten im Bundestag sind ein Zumutung. Und meist stinklangweilig.

Und auch in den meisten Medien, spannende Debatten – Fehlanzeige. Die Themenspektren sind bedenklich geschrumpft. Das Framing, der finanzielle Druck der Werbeschaltungen, die Faktenckecker, die Schere im Kopf vieler Journalisten, und einiges mehr, haben da ganze Arbeit geleistet.

Das alles verlangt nach einem Gegenpol.

Und der entsteht ja auch.

Die Debatten in den „alternativen Medien“ werden schärfer. Die Medienkritik nimmt zu. Die Abscheu vor den Stellungnahmen der offiziellen politischen Meinungsträger ist regelrecht mit Händen zu greifen.

Und ich wünschte der Kommentarbereich dieses Blogs wäre Teil davon. Zielsetzung ist dabei aber nicht der Disput um des Disputes willen, sondern die Suche nach gangbaren Wegen. Wegen, die heraus führen aus dem Verstummen, der Wahlenthaltung, der angeblichen Alternativlosigkeit.

Wenn dabei das Verständnis für andere Positionen wächst – wunderbar. Besonders dann, wenn sich so neue Wege und Perspektiven öffnen.

Um dafür ein gutes Umfeld zu schaffen, möchte ich in diesem Teil des Blogs als Anrede auch das in Blogs übliche „Du“ angewendet wissen. Weil es Nähe schafft. Grenzen abbaut. Die Distanz zwischen Gesprächspartnern verringert.

Sollte es dennoch Schwierigkeiten im Umgang geben, werde ich als Betreiber aktiv. So wie der Chef eines Unternehmens Regeln durchsetzt oder neue erlässt. Aber oft dürfte das gar nicht nötig sein, da – wie es im Kommentariat anderer Blogs üblich ist – Leser, unpassende Kommentare anderer, oft passend kommentieren. – Trollalarm.

Kurzum: da sind Selbstreinigungskräfte am Werk.

Und deren Durchschlagskraft sollte nicht unterschätzt werden.

Es sind die unerwarteten Geschehnisse, die unerwarteten Gedanken und Ideen, die das Leben aufregend machen.

Warum sollte das in einem Blog anders sein?

Doch all das fällt üblicherweise nicht vom Himmel, sondern es Bedarf der Teilnahme. Und genau darum möchte ich bitten.

Denn Veränderung ist ein Prozess. Ein stetiger.

„Ich weiß nicht, ob es besser wird,
wenn es anders wird.

Aber es muss anders werden,
wenn es besser werden soll.“

Georg Christoph Lichtenberg

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