Die Trommel schlagen
Die Trommel schlagen

Die Trommel schlagen

Die Erntedankzeit naht und damit auch die Notwendigkeit des Gärtners, sich dem kommenden Jahr zuzuwenden.

Es gilt: keine Ernte, ohne Aussaat – ohne Saatgut. Das sich, soll es kostengünstig sein, mit ein wenig Aufwand, von der Ernte des aktuellen Jahres abzweigen lässt. So es sich bei der Ernte denn um Sorten handelt, die „Samenfest“ genannt werden.

Heutzutage keine Selbstverständlichkeit, wo Hybridpflanzen den Markt fluten. Alle üblicherweise von Saatgutfirmen entwickelt, die meist Konzernen zugehörig sind. Genauer: kapitalkräftigen Aktiengesellschaften.

Deren Hauptanliegen – das Geldverdienen. Hauptsache es bringt Ertrag. Mehrt die Gewinne. Die Marktmacht.

Mit der sich die Produkte dann in den Markt pressen lassen.

Auswuchs des Kapitalismus nennt sich das.

Schön für die Gewinner, eher unschön für die Verlierer.

Doch zurück zu den Hybridpflanzen – was zeichnet sie aus?

„Hybriden sind Pflanzen, bei denen die Elternlinie über Generationen hinweg durch erzwungene Selbstbefruchtung reinerbig gemacht wurde. So können zuverlässig bestimmte Eigenschaften an die Nachkommen weiter gegeben werden. Durch die Kreuzung zweier solcher Inzuchtlinien werde so genannte F1-Hybriden mit den gewünschten Eigenschaften gewonnen, welche als Saatgut verwendet werden. Doch schon in der zweiten Generation verlieren sich die Eigenschaften wieder vollständig. Da sich bei der Herstellung von Hybridsaatgut die Elternlinien nicht selber befruchten dürfen, müssen männliche Samen entfernt werden. Dies ist nur mit sehr viel Aufwand möglich, sodass die Wissenschaft auch hier nach einer Lösung des Problems suchte und fündig wurde. Durch Zellfusion wird männliche Sterilisation erreicht…“

Auszug aus:

https://blog.naturata.de/2011/06/14/hybridpflanzen-neben-einwegflaschen-nun-auch-einwegpflanzen/

Da wird also mittels Protoplastenfusion, den Pflanzen die Weitergabe ihrer Eigenschaften untersagt. Und damit die Vermehrung verunmöglicht. Genannt wird das CMS – zytoplasmatisch männliche Sterilität.

Aufklärung über die verschieden Saatgutformen liefert der Beitrag von Alnatura:

https://www.alnatura.de/de-de/ueber-uns/alnatura-initiativen/saatgut-initiative/saatgut-initiative-faq/

Wer als Landwirt CMS Saatgut einsetzt (warum auch immer), kommt um den alljährlichen Neuerwerb des Saatguts nicht herum.

Das „warum auch immer“ ist nicht ohne Belang. Denn gleichförmige Früchte, in Aussehen, Geschmack und Haltbarkeit erleichtern die Vermarktbarkeit.

„Das liegt daran, dass der Geschmack nie ein kaufentscheidender Faktor bei Obst, Gemüse oder Kräutern war, sondern immer nur Resistenz, Aussehen und Haltbarkeit.“

Auszug aus:

https://www.gartengnom.net/f1-hybride/

Wir Verbraucher sind an der Situation also nicht unschuldig. Die Erzeuger von Obst und Gemüse bedienen einfach die gigantische Nachfrage nach solchen Produkten. Unterliegen dabei den Wettbewerbsbedingungen.

Holla! Da sind wir also wieder beim Geld und den Zwängen zu dessen Erlangung angelangt. Wie immer, wenn Wirtschaftsprozesse ins Blickfeld geraten.

Denn egal von welchem Standpunkt aus wirtschaftliche Vorgänge auch untersucht werden, immer stößt der Untersuchende, auf irgendwelche „Ungereimtheiten“.

Die – und davon bin ich überzeugt – stets dem weltweit herrschenden Geldsystem anzulasten sind. Ein System, das statt einem kooperativen Miteinander und der Einstellung, leben und leben lassen, stets die extreme Konkurrenz vorzieht. Mit all den zerstörerischen Folgen. Für den Einzelnen, für die Gesellschaft. Als auch für die Umwelt. Auf die die Landwirtschaft ja eindeutig einwirkt. Beispielweise mit den immer mehr um sich greifenden Monokulturen.

Was neben anderen diversen anderen Fehlentwicklungen der Landwirtschaft, durchaus markant zur Belastung des Ökosystems beiträgt.

Dazu mehr unter:

Zum Thema Monokultur, werde ich, der schädlichen und unheilvollen Wirkung wegen, demnächst einen Beitrag verfassen.

Doch zurück zum Thema Saatgut. Das Geschäft damit reicht weiter, viel weiter als gemeinhin angenommen. Nicht umsonst sind es die Chemiegiganten, die den weltweiten Saatgutmarkt beherrschen.

https://www.boell.de/de/aus-sieben-werden-vier-der-markt-fuer-kommerzielles-saatgut

Dabei sind weltweit gesehen, die kommerziellen Saatguterzeuger bei der Verwendung des Saatgutes, tatsächlich in der Minderheit. Noch. Denn sie haben erst um die 20% des Marktes erobert.

Was da noch für unglaubliche Entwicklungsmöglichkeiten im Raum stehen? Ungeheure Gewinne locken.

Allein bei dem Gedanken an ihre künftigen Boni, muss den Vorständen doch schummrig werden.

Auszug aus dem Böll-Beitrag:

„Für sie geht es jetzt in erster Linie darum, Zugriff auf jene 80 Prozent des Saatguts zu erlangen, die noch keiner kommerziellen Nutzung unterliegen. Das heißt im Klartext: Alle drei Großkonzerne werden versuchen, Kleinbäuerinnen und -bauern in ein kommerzielles Regime zu zwingen – und damit die oftmals gut funktionierenden lokal angepassten Saatgutsysteme zerstören.“

Wer verliert? – Genau genommen, wir alle. An Geschmacksvielfalt, An Biodiversität. An natürlichem Pflanzenschutz. Um nur die ersten unerfreulichen Folgen zu nennen, die mir spontan einfallen.

Finanzielle Gewinne streichen nur jene ein, die direkt von den Geschäften der Chemieriesen profitieren. Wie Beschäftigte, Anteilseigner oder Zulieferer. Als auch der Staat, durch höhere Steuereinnahmen.

Doch bei diesen Vorhaben der Konzerne geht es nicht nur ums Saatgut. Es geht um Synergien. Pflanzenschutzmittel heißt da das Zauberwort. Denn ohne sie wächst das kommerzielle Saatgut nicht wie gewünscht.

Ein „Bombengeschäft“.

https://de.statista.com/infografik/5108/weltweiter-umsatz-mit-pflanzenschutzmittel/

Noch vielversprechender sind aus Sicht der Chemiefirmen allerdings Eingriffe in die Pflanzengene. Stichwort: Genmais.

Da liefert die Saatgutfirma gleich alles in einem. Eine Saat resistent gegen firmeneigene Pflanzenschutzmittel und Insektizide. Mit dem Versprechen von Mehrertrag und Einsparungen bei Verwendung der Pestizide.

Was will der Bauer mehr?

Doch inzwischen betrifft diese Entwicklung nicht nur den Mais, sondern auch Raps, Soja und die Zuckerrübe.

Der solchen Eingriffen ins Erbgut zustimmende Beitrag schildert das ausführlich.

https://swiss-food.ch/artikel/der-genmais-eine-erfolgsgeschichte-auch-im-gentech-kritischen-europa

Egal wofür die Politik sich mehrheitlich auch entscheidet, die Chemiefirmen sind gewappnet.

Setzen sich die Gegner von Genveränderungen durch, wird einfach das Angebot an Pflanzenschutzmitteln und Insektiziden ausgeweitet.

Wird dies kritisch beäugt, werden die Vorteile der Gentechnik angeführt.

Und natürlich wird, wie immer wenn es ums Geldverdienen geht, der technische Fortschritt beschworen. Der Arbeitsplätze schaffe und die Zukunftsfähigkeit der Volkswirtschaften steigere.

Kein Argument ist zu abwegig, um nicht angeführt zu werden.

Die Lobbyisten der Chemieindustrie, ausgestattet mit anscheinend unerschöpflichen finanziellen Ressourcen, beackern die „Volksvertreter“ aller Länder schon seit vielen Jahren. Und das mit mit Nachdruck und Verve.

Allein die wachsende Heerschar der Lobbyisten in Brüssel spricht eine deutliche Sprache. Wäre deren Handeln in der Vergangenheit nicht von Erfolgen gekrönt, gäbe es sie schlicht nicht mehr.

Traurig – doch wahr.

Die Gegenseite wird von Kleinbauern und Bewahren alten Saatgutes angeführt, die rührig die Trommel für althergebrachte Obst- und Gemüsesorten schlagen. Leider mit mäßigem Erfolg. Zumindest wenn das Gesamtgeschehen in Augenschein genommen wird.

Es ist ein ungleicher Kampf. Denn die Medienmacht ist aufseiten der „Fortschrittsbefürworter“; also aufseiten der „räuberischen Geldelite“.

Die in den letzten drei Jahrzehnten, mittels ihrer geraubten Geldmittel, Medien übernommen und ihren Ideen verpflichtet hat.

Die Macht des Geldes gnadenlos ausgespielt, des Machterhalt willen.

So einfach, so schnöde ist das.

Mehr dazu unter:

Trotzdem will ich zum Abschluss die eifrigen Kämpfer für das Altbewährte, für Sortenvielfalt und die Verwendung samenfeste Sorten wertschätzen. Und zu ihrer Unterstützung aufrufen.

Das Einfachste ist es, ausschließlich samenfestes Saatgut zu verwenden. Darüber hinaus, dem Hybridssatgut und den Hybridpflanzen, die gern in Gartenmärkten angeboten werden, die kalte Schulter zu zeigen.

Samenfeste Sorten, erhältlich hier:

https://bund-region-hannover.de/bund-aktiv/saatgut-von-samenfesten-sorten/

Wer mehr tun will, kann sich einem oder mehreren im link genannten Vereinen anschließen. Oder gar im eigenen Umfeld, eigenständig tätig werden.

Für Skeptiker: auch kleine Schritte führen weiter.

Klingt zwar wie ein Kalenderspruch. Ist dennoch wahr.

Das die Menschheit letztlich – will sie noch eine lebenswerte Zukunft – nicht um gravierende Änderungen am Finanzsystem herumkommt, dürfte nach all dem, was sie hier auf dem Blog bisher gelesen haben, nachvollziehbar sein.

Es wird viel Mühe erfordern, all die negativen Folgen der Handlungen, die aus der Gier und den Rufen nach Rendite, nach mehr Rendite hervorgingen, zu korrigieren,

Wer allerdings meint, es gäbe ein weiter so wie bisher, wird in einer Zukunft leben müssen, die Änderungen von außen erzwingt.

Überschwemmungen, Dürren, gewaltige Stürme und dadurch hervorgerufene Versorgungsengpässe bei Lebensmitteln, werfen schon die Schatten voraus. Und der bereits deutlich spürbare Mangel an erschwinglicher Energie, verschärft die Probleme zusätzlich. – Wer es sehen will, sieht es.

Die Zeit drängt. Ein drastischer Richtungswechsel ist notwendig. Ein von uns Menschen selbstgewählter.

Mag sein, das ist Wunschdenken. Und von uns Menschen ist keine solche Kursänderung zu erwarten.

Doch große gesellschaftliche Umbrüche hatten, im Vorlauf, schon immer äußerst unerwartete Momente.

Der göttliche Geist weht halt, wo er will. Wenn er denn will.

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